Bericht zur Diplomkartierung

Veröffentlicht auf von Hauke

Mittwoch, 10. September 2008

Nach der sechsstündigen Bahnfahrt und einer 20-minütigen Fahrradfahrt sind wir am Ferienhaus in Benzingerode angekommen. Die Wohnung ist sehr schön eingerichtet mit Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer, separater Küche und sogar Terrasse. Hier werden wir es uns die drei Wochen gemütlich machen!

Nach einem Großeinkauf haben wir mit der Aufteilung der Kartiergebiete angefangen und die Gebietsgrenzen auf unsere topographischen Karten eingezeichnet. Nach der Auslosung, wer welches Gebiet bekommt, habe ich nun mein Wunschgebiet bekommen. Es erstreckt sich vom Ortsrand Werningerode bis hin nach Benzingerode. Morgen werde ich anfangen Querprofile über mein Gebiet zu laufen, Gesteinsformationen bestimmen und Gesteinsschichten einmessen. Hier einmal die topographische Karte unserer Kartiergebiete

 


Nun gibts aber erstmal Spargel und Hühnchen und die zweite Halbzeit von Deutschland gegen Finnland!

Donnerstag, 11. September 2008

Was für ein herrlicher Beginn für die Diplomkartierung! Bei schönstem Wetter (sonnig, etwa 24°C) konnte ich heute den Horstberg etwas detaillierter auskartieren, als wir es bei der Einführung getan haben. Anschließend bin ich ein Profil Richtung Süden gelaufen. Probleme macht mir noch die Untergliederung des Buntsandsteins, die ich nicht richtig beherrsche, sowie das Finden von mittlerem und oberen (mo2) Muschelkalk, die aufgrund ihrer geringen Verwitterungsresistenz bisher noch nicht im Gelände aufgeschlossen waren. Zum Abschluss des Tages habe ich noch eine wunderschöne Aussicht vom Papenberg gehabt. Seit heute abend ist Dörte auch hier und wird mir 3 Tage über die Schulter schauen und mich etwas begleiten. Heute abend habe ich die 30 Geländepunkte bereits übertragen und einige Punkte in die geologische Karte eingemalt, die nun folgendermaßen aussieht.


Freitag, 12. September 2008

Nachdem wir wieder einigermaßen pünktlich um 7:20 Uhr das Bett verlassen haben, ging es nach einem Frühstück in den trüben Tag. Heute hatten wir uns gemeinsam den Augstberg vorgenommen, auf dem wir die geologischen Einheiten unterer, mittler und oberer (1 und 2) Muschelkalk finden wollten. Nach einigen Startschwierigkeiten hatten wir dann endlich einen Aufschluss im Wald gefunden. Auf einer Wiese konnten wir die Schichten sogar einmessen.

Nach dem Mittagessen wurde das Wetter auch besser und ich machte mich alleine (Dörte hatte bereits genug von geologischen Exkursionen und ging wieder zum Ferienhaus zurück) Richtung Süden auf, wo mich die etwas verwirrende Einheit der lithischen Wacke erwartete. In einem riesigen Steinbruch konnte ich ausgiebig klettern und Strukturen erkennen. Danach bin ich bis an das Südende des Kartiergebietes gelaufen, um mich dort prompt leicht zu verlaufen, da ich außerhalb meiner Karte unterwegs war. Hier konnte ich noch eine neue geologische Einheit bestimmen – was mir aber erst im Ferienhaus bewusst wurde. Nun habe ich wieder einige neue Geländepunkte und Grenzen der Gesteinseinheiten auf meiner Karte.


Morgen werde ich erneut ein Profil von Norden nach Süden laufen, so dass ich dann hoffentlich an einigen Stellen die Grenzen der lithologischen Einheiten bestimmt habe. Morgen gehts dann auch endlich mit dem neuen, zugeschickten Kompass los, so dass ich Schichten einmessen kann.

Montag, 15. September 2008

Nun ist bereits der fünfte Tag vergangen und Dörte ist heute morgen wieder abgereist, nachdem sie sich hier ein paar schöne Tage mit uns und in Werningerode gemacht hat.

Heute habe ich nochmals einige Wege belaufen, wo ich vorher noch nicht war. Weiter habe ich den kompletten vormittag in den ehemaligen Gruben der Ziegelei verbracht, wo ich zahlreiche Schichtflächen einmessen konnte. Durch den Regen gestern und heute morgen war es jedoch eine sehr rutschige Angelegenheit, so sehen nun Jacke, Hose und Schuhe auch aus! Weiter habe ich noch Gesteine aus der Formation des Zechsteins gefunden, was ich gar nicht erwartet hatte. Große Brocken von weißem und weichen Gips.

Die topographische Karte des Gebiets ist leider ziemlich mieserabel, da zahlreiche Wege nicht eingezeichnet sind bzw. Falsch eingezeichnet sind und ich mich somit öfter Mal verlaufe bzw. Nicht weiß, wo ich mich gerade befinde.

Ab morgen werde ich dann vermutlich die Schichtgrenzen ablaufen, auch wenn ich noch einige Wege zu laufen hätte und auch noch ein vielversprechender Gesteinsaufschluss auf mich wartet, den ich mir noch nicht anschauen konnte. Bisher läuft jedoch alles sehr gut und ich kann die geologische Karte so rekonstruieren, wie es mir die offizielle Karte des Gebietes wiedergibt.

Nun werde ich mich erstmal an das Eintragen der Geländepunkte in die geologische Karte machen und die Gesteinsbeschreibungen erledigen, das habe ich die letzten Tage etwas ruhen lassen.

Dienstag, 16. September 2008

So langsam wird es hier wirklich kalt! Nachdem ich am ersten Tag noch bei 25°C schwitzend im Steinbruch statt, sind es nun morgens hier gerade mal noch 8°C. Dennoch schien heute die Sonne und ich habe mich den morgen an einem Steinbruch am Fluss aufgehalten und fleißig gemessen. Nachmittags bin ich nochmals den Harz hinauf gelaufen und bin durch das ständige Messen der Schichten kaum voran gekommen. Die Motivation ist leider nicht mehr so hoch, wie am ersten Tag, aber ich schaffe es noch 8 Stunden am Tag im Gelände zu sein und hier abends meine im Gelände gemessenen Daten zu übertragen. Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage mal mein Fotofilm in die Stadt bringen kann und dann mal einige Bilder hier hinzufügen kann.

Mittwoch, 17. September 2008

Heute habe ich nun begonnen die ersten Grenzen der lithologischen Einheiten auszukartieren. Damit sind nun die ersten Bereiche meiner Karte rund um den Horstberg bunt ausgefüllt und ich werde an diesen Teil des Kartiergebiets wohl nicht mehr hinkommen. Heute war nochmal schönstes Wetter und etwas wärmer, als die letzten Tage. Dafür haben mich heute die zahlreiche Hagebuttensträucher zerrissen, so dass meine Arme und Beine mit zahlreichen Kratzern versehen sind. Leider kann man beim kartieren der Grenzen darauf nicht rücksicht nehmen, da festgelegte Wege gelaufen werden müssen, ob da nun Sträucher stehen – oder nicht!

Samstag, 20. September 2008

Halbzeit! – Zehn Tage sind wir nun hier im Gelände und weitere zehn liegen noch vor uns. Heute habe ich die Kartierung des Harzvorlandes abgeschlossen, somit habe ich eigentlich das schlimmste hinter mir und ich werde wohl früher fertig werden, als ich dachte. Somit bleibt noch Zeit am Ende einige Sachen wesentlich intensiver zu bearbeiten. Das Wetter hier verwöhnt uns mit dem schönsten Sonnenschein, auch wenn es nachts mittlerweile sehr  kalt wird – aber besser als drei Wochen Regen! Mittlerweile muss ich meinen Hammer kaum noch benutzen, sondern nur noch das Schrittmaß, um die geologischen Grenzen auszukartieren. Brombeersträucher haben nun meine Beine recht ordentlich zerschunden, die Brombeeren schmecken hier jedoch deutlich besser/reifer als an der Ostsee, genauso wie die zahlreichen Apfelbäume, man muss im Grunde gar keine Äpfel kaufen!


Mittwoch, 24. September 2008

Schon wieder Fußball! Derzeit werden wir durch 5 von 7 Tagen in der Woche mit Fußball verwöhnt, UEFA Pokal, Champions League, DFB Pokal oder Bundesliga – super. Nebenher kartieren wir auch noch ein wenig, auch wenn ich die letzten drei Tage kaum noch bzw. gestern überhaupt nicht im Gelände war. Die Arbeiten, die noch draußen gemacht werden müssen, sind nur noch kleine Ausbesserungen und Extraarbeiten. Bei dem aber eher schlechten Wetter die letzten Tage bleibe ich lieber drinne und schreibe an meinem Bericht weiter. Die geologische Karte ist nun fast fertig, lediglich die letzte Grenze im Harz muss noch genauer konstruiert werden, das ist jedoch nicht ganz so einfach, da meine gemessen Werte für die Störungen, die sich durch den Harz ziehen nicht mit denen auf der offiziellen geologischen Karte zusammenpassen. Nunja, aber da werde ich noch eine Lösung finden.

Am Montag war ich abends noch in Wernigerode und habe mit die geologische Karte vom Gesamtharz gekauft – 21 Euro hat der Spaß gekostet! Danach kamen noch die horrenden Kosten für die entwickelten Fotos inkl. Foto-CD dazu – 25 Euro! Hätte ich die Bilder man lieber zu Roßmann gebracht! So habe ich aber sehr gut entwickelte Fotos und die Bilder auf der Foto-CD sind in einer super Auflösung. Hier kann ich nun einmal einige vom Kartiergebiet  zeigen:


Hier der Blick vom Stapenberg im Harz auf das nördlich gelegene Harzvorland. Links sind die Ausläufer von Wernigerode zu erkennen, rechts die Ortstadt Silstedt, dazwischen die neugebaute B6n.


Hier einmal die Sicht von der anderen Seite. Vom Horstberg, ganz im Westen bei Wernigerode gelegen haben wir hier die Sicht auf den Harz mit der davor gelegenen Vorstadt von Wernigerode, sowie der ehemaligen Ziegelei (ganz links), sowie das Schloss Wernigerode (rechts).


Hier eine ähnliche Perspektive, jedoch ist der Horstberg auf der rechten Seite noch zu erkennen, von dem das vorherige Foto gemacht wurde. Auf diesem Bild lassen sich gut die Verwitterungsrestistenz der Gesteine nachvollziehen. Im rechten Bildrand in der aus Karbonaten aus der Trias aufgebaute Horstberg zu erkennen, während die im mittleren Bildbereich anstehenden Tone und Sandsteine des Buntsandstein, ebenfalls aus der Trias, unter der Verwitterung wesentlich mehr gelitten haben. Das Gelände steigt zum linken Bildrand wieder an, der untere Buntsandstein ist wesentlich härter, bis dann die Oberflächengestalt zum Harz hin deutlich ansteigt, was hier jedoch nicht zu sehen ist.


Bei diesem Bild habe ich mich im Grunde nur einmal umgedreht und schaue auf dem im Osten liegenden Austberg. Besonders schön lassen sich hier die einzelnen Formationen des Muschelkalks erkennen. Der Höhenzug besitzt zwei Kämme, gebildet vom unteren (rechts) und oberen Muschelkalk. In der Mitte steht der mittlere Muschelkalk an, der vor allem Gipse und Dolomite führt Diese sind recht anfällig für Lösungsverwitterung, weshalb das Land gut bewirtschaftet werden kann und dieser Streifen als Wiese ausgeprägt ist.

Zum Schluss noch die aktuelle geologische Karte:


Wie zu erkennen, wurde die quartäre Bedeckung (in gelb im oberen Teil der Karte) geändert und eine provisorische Grenze der Gesteine im Harz konstruiert. Hier lassen sich die Grenzen der Gesteine leider nicht mehr einfach miteinander verbinden, da das Gestein sehr resistent gegen Verformung ist. Die Verschiebung der Gesteine zueinander erfolgt ausschließlich entlang von Störungen, weshalb eine Art Sägezahnmuster entsteht. Weiter sind die Einfallwerte der Schichten ist die Karte eingetragen worden – jedoch nicht nicht vollständig.


So, und nun gehts ins Bett, morgen gehts wieder ins Gelände!

Samstag, 27. September 2008

Guten Morgen!

Nun sind es nur noch drei Tage im Gelände und ich muss weiterhin noch einige Kleinigkeiten ausbessern, die mir immer noch nicht so gefallen. Schon komisch – da kartiert man das komplette Gebiet in 12 Tagen und braucht weitere 9 Tage für die Kleinigkeiten.

Heute werde ich mit Hamoudy nochmals die Grenze unserer Kartiergebiete ablaufen, denn er interpretiert die Karte doch wesentlich anders, als ich. Hier müssen wir dann noch auf einen gemeinsamen Nenner kommen, sonst sieht die Karte natürlich blöd aus. Für die beiden anderen tage habe ich mir auch nochmal ein paar Kleinigkeiten überlegt, so dass ich immer mal für ein paar Stunden rauskomme. Der Bericht geht indess schleppend voran, ich halte mich jeden abend an irgendwelchen Kleinigkeiten auf ohne dass ich mal die wesentlichen Punkte bearbeiten würde, die noch fehlen. Ich hoffe, dass ich heute und morgen etwas mehr schaffen werde, so dass dann schonmal ein Querprofil fertig ist.

Das Wetter heute ist auf jeden Fall schonmal gut, so dass es sich heute wohl aushalten lassen wird. Hier noch ein kleiner Eindruck von einem kleinen Erdfall, der durch Wasser gelöste Gipse im Untergrund entsteht.


Nun, knapp drei Wochen nach der Kartierung muss ich nun dringend den Bericht zuende schreiben und die Karte zum Druck geben lassen, damit am 29.10 die Abschlussbegehung des Gebietes erfolgen kann.


Ich hoffe das Lesen dieses Artikels hat etwas Freude gemacht und die Arbeiten des Geologen bei einer Kartierung etwas näher gebracht!


Galerie zur Diplomkartierung

Veröffentlicht in Harz

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Brigitte V. 10/21/2008 15:56

Ein ,meiner Meinung nach, guter Bericht.Wir waren auch
zu Besuch da und haben eine geologische Führung
erhalten.