Radtour von der Ostsee bis zur Donau - Teil 1

Veröffentlicht auf von Hauke

 

Am 4ten September letzten Jahres habe ich mich für eine knapp 2 Wochen lange Fahrradtour von Kiel bis nach Passau aufgemacht, die mich entlang von Elbe, Saale, Altmühl und Donau nach Passau bringen sollte. Hier nun der erste Teil dieser Tour von Kiel bis Barby, wo ich die Elbe Richtung Saale verlasse.

 

Erster Tag, Samstag, 04.09.2010: Kiel – Mölln (140 km)

 

Nach einem etwas verspäteten Start, ging es dann um 10:15 Uhr in meinen zweiten Sommerurlaub für dieses Jahr. Bei etwa 18 °C und Schäfchenwolken habe ich mich von Kiel aus Richtung Süden aufgemacht. Bei diesem Wetter konnte man die Schleswig-Holsteiner Hügellandschaft wunderbar genießen. Zuerst einmal ging es südlich an Preetz vorbei Richtung Plön, wo ich ein wunderschönes Teilstück entlang des Plöner Sees bis nach Bosau fahren kann. Bei ausreichend Zeit und Lust kann man die Anlagen rund um das Plöner Schlossbesichtigen. Über Wöbs, Travenhorst, Lebatz und Klein Parin geht es dann auf einem etwas weniger eindrucksvollen Teilstück nach Lübeck, wo ich bereits 100 km auf dem Tacho habe! Anscheinend habe ich doch öfter Umwege genommen, als gedacht! Nachdem ich am Vormittag bereits leicht gestürzt bin (zum Glück auf eine weiche Wiese!) macht das Rad und die Radtaschen bisher alles mit. Leider knackt der Sattel während der Fahrt!

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Nach einer kleinen Rast am Holstentor entschließe ich mich um 17 Uhr dennoch ins südlich gelegene Mölln zu fahren, um hier in der Jugendherberge zu übernachten. Der Elbe-Lübeck-Kanal / Alte Salzstraße ist vom Holsteiner Tor sehr einfach zu finden. Nach der Hin- und Herfahrerei am Vor- und Nachmittag ist das Fahren am Kanal inklusive Rückenwind wie eine Belohnung!

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Gegen 19:30 erreiche ich dann die schön gelegene Jugendherberge, wo ich leider kein Essen mehr bekomme und stattdessen mir etwas Brot und Käse aus dem Supermarkt hole.

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Strecke: 140 km

Dauer: 9 ¼ Std.

Reine Fahrtzeit: 7 Std.

Wetter: 18°C, leicht bewölkt.

 

Zweiter Tag, Sonntag, 05.09.2010: Mölln bis Hitzacker (100 km)

 

Nach dem doch sehr anstrengenden Vortag, habe ich für einen entspannten zweiten Tag entschieden. Nachdem ich mich nach einem hervorragenden Frühstück in der Jugendherberge (sogar mit Rührei) gestärkt habe, saß ich um 9:45 wieder im Sattel. Das Wetter versprach nur das Beste: Sonnenschein, etwa 16 °C und keine Wolke weit und breit. Lediglich der Wind hatte gedreht und kam mir nun von Südosten entgegen. Der Weg entlang der alten Salzstraße war wieder hervorragend zu fahren, keine Steigungen und ein leicht geschotterter Weg. Bereits seit Lübeck ist die Topographie komplett flach geworden und man befindet sich in der norddeutschen Tiefebene.

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Nach einem kurzen Halt an der Fähre Siebeneichen (die einzige Fähre, die über den 1899 erbauten Kanal führt (als Nachfolger des im Mittelalter erbauten Stecknitz-Delvenau-Kanal)). Kurz vor Lauenburg wechsel ich die Kanalseite auf die östliche Seite, um die Altstadt von Lauenburg anzusteuern. Diese erkundige ich im Schieben, da das Kopfsteinpflaster sich nicht gut mit meinem schon etwas wunden Hintern vertragen hätte. Die Altstadt mit schönem Blick auf die Elbe (der nun zweite Abschnitt meiner Tour) besteht fast komplett aus gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Hier ziehen nun auch einige Wolken auf, die mir die Pause jedoch nicht vermiesen.

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Um 13 Uhr breche ich Richtung Boizenburg auf, welches an der nördlichen Elbeseite liegt. Hier habe ich den Gegenwind nun komplett von vorne, nehme ihn jedoch gerne in Kauf, solange er mir so gutes Wetter aus dem Osten bringt (die nächsten 3-4 Tage sollen so schön bleiben!). Am Nachmittag mache ich nun häufiger Pausen, da sich die lange Vortagestour bemerkbar macht. So ist das Museum am Checkpoint Harry (ehemaliger Grenzübergang) kurz vor Boizenburg eine willkommende Pausengelegenheit.

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Der Weg auf der Nordseite der Elbe führt meist auf Plattenwegen auf dem Deich oder der Landseite entlang, wo man meist einen schönen Blick auf Elbe oder das weitläufige Mecklenburg-Vorpommern hat. Immer zwischendrin sieht man einen der ehemaligen Wachposten an der Grenze, die für Touristen stehen gelassen werden. Die nächste Rast mache ich in der herrlich urigen Räucherkate Stiepolse, wo ich zum Kaffee noch kostenlose Gitarrenmusik bekomme. Bis zur Fähre in Neu Dachau folgen viele schöne kleine Orte, die direkt am Deich liegen. Nach der Übersetzung auf die andere Elbeseite folgt nun auf der Südseite der Elbe ein etwa 20 km langes kräftezehrendes Stück durch den Wald auf Schotterwegen mit erheblichen Steigungen. Wer hierauf keine Lust hat, sollte auf der Nordseite bleiben und bei Bedarf in Hitzacker übersetzen.

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Nach knapp 100 km erreiche ich um 18 Uhr die Jugendherberge am Westende von Hitzacker. Ganze 26.50 € soll die Übernachtung hier kosten! Im Gegensatz zum Vortag (17.70 €) ziemlich happig. Dafür ist das Personal hier deutlich freundlicher.

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Nach ausgiebigen duschen und Wäsche waschen geht es in der Abenddämmerung zum Hafen und in die Altstadt von Hitzacker. Hier beende ich nun gerade den Tag mit einem großen Matjesteller und einem doch gar nicht so leckeren Bier (Moravia).

 

Strecke: 99 km

Dauer: 8 ½ Std.

Reine Fahrtzeit: 5 ¼ Std.

Wetter: 16-18 °C, leicht bewölkt.

 

Dritter Tag, Montag, 06.09.2010: Hitzacker bis Havelberg (121 km)

 

Heute stand der Übergang in die Prignitz/Altmark an. Nach einem wiederum tollen Frühstück in der Jugendherberge, ging es um 9:20 Uhr aufs Fahrrad Richtung Osten. Hier bin ich zunächst auf der südlichen Seite der Elbe geblieben.

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An der Strecke stehen sehr viele schöne Bauernhäuser direkt am Deich, besonders auf der Höhe des Ortes Kamerun. Das Wetter zeigte sich am Vormittag wieder von seiner schönsten Seite – keine Wolke am Himmel. Gerade der Kontrast des blauen Himmels, den grünen Wiesen und des blauen Wassers haben tolle Bilder entstehen lassen.

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Leider habe ich es heute mit einem ordentlichen Gegenwind zu tun, der mich ordentlich ausbremst. Ab der alten Eisenbahnbrücke bei Dömitz wird der Weg zudem deutlich schlechter, da die Wegpflasterung auf dem Deich sehr uneben ist.

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Ich entschließe mich bei Lentzen die Elbseite zu wechseln, nachdem ich im Sonnenschein meine Mittagspause abgehalten habe. Es folgt ein recht langes Stück auf dem Norddeich der Elbe bis nach Müggendorf, wo ich eigentlich im Bauerncafé einen Kaffee trinken möchte. Das Café hat jedoch nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet – Schade! Heute esse ich nun auch deutlich mehr als an den Vortagen, so langsam scheinen die Reserven auszugehen.

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Ich entschließe mich bis nach Havelberg zu fahren. Das Schild prophezeit mir weitere 54 km mit Gegenwind. Das erste Stück bis Bälow ist schnell erledigt, obwohl ich ab Wittenberge eine Umleitung fahren muss, da der Deich auf diesem Teilabschnitt saniert wird. In der Radlerpension in Balow treffe ich auf den Mann der Familie, der jedoch ohne seine Frau etwas aufgeschmissen scheint und lieber im Garten zu arbeiten, als Gäste zu bedienen. Einen Kaffee bekomme ich dann aber doch noch! Im Sonnenschein mit Blick auf die Elbe genieße ich den Kaffee und reserviere schon mal das Zimmer in Havelberg vor.

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Nun sind es noch 32 km! Bei Sonnenuntergang und nicht mehr ganz so starkem Gegenwind erledige ich den Rest der Strecke im Nu. Ein paar Schafe säumen den Deich. Schön ist nochmal die Durchfahrt des Wasserkraftwerkes bei Neuwerben, wo ich unter größter Mückenplage noch ein paar Bilder schieße. Nachdem ich mich in der Biergartenpension (41 € Einzelzimmer + Frühstück) niedergelassen, schnell geduscht und gewaschen habe, geht’s auf eine Ortsbegehung durch die wunderschöne Altstadt in Havelberg. Besonders der 1170 erbaute Dom ist wirklich sehenswert!

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Strecke: 121 km

Dauer: 10 ½ Stunden

Reine Fahrtzeit: 6 ½ Stunden

 

Vierter Tag, Dienstag, 07.09.2010: Havelberg bis Magdeburg (120 km)

 

Nun hat mich meine Motivation doch bereits nach Magdeburg getragen, wo ich nun im McDonalds meine Tourenaufzeichnung für den heutigen Tag machen möchte. Nach einem ganz ordentlichen Frühstück in der Biergartenpension ging es um 9:30 wieder aufs Fahrrad, welches mein Hinter direkt mit ordentlichen Schmerzen quittierte. Direkt in Sandau habe ich auf die Westseite mit der Fähre übergesetzt (Diese kostet, im Gegensatz zu den sonstigen Fähren, 2€ für eine Person mit Fahrrad), da auf der Karte der Radwanderweg näher an der Elbe gezeichnet ist. An diese konnte ich jedoch fast den ganzen Vormittag heran fahren. Das Wetter am Vormittag war recht bedeckt, mit 14°C recht kühl und steifem Gegenwind. Dazu war der Weg nicht sonderlich pralle. Kurzum: Das Stück von Sandau bis Arneburg ist NICHT zu empfehlen.

radtour kiel passau tag4 001radtour kiel passau tag4 005radtour kiel passau tag4 007Das etwas höher gelegene Arneburg ist jedoch mit seinen kleinen Fachwerkhäusern recht nett anzuschauen. Hier fülle ich nun im Supermarkt auch meine Vorräte an Müsliriegeln, Saft, Wurst und Käse auf. Das Stück bis Tangermünde ist wiederum nicht sonderlich schön, dafür jedoch die Stadt. Besonders die Fachwerkhäuser rund um das wunderschöne Rathaus sehen sehr nett aus. Abgeschlossen wird die Stadt von einer Stadtmauer mit schönen Toren. Am Hafen mache ich bei Windstärke 4 meine Mittagspause – ziemlich fröstelig, vor allem, wenn man nur kurze Radklamotten mit hat.

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Am Nachmittag fahre ich dann endlich öfter an der Elbe und habe etwas mehr Glück mit dem Ostwind, da die Elbe ab Havelberg eher Richtung Süden fließt. Nachdem ich in meiner Pause bereits ein Bett in der Jugendherberge reserviert habe, steht die Nachmittagsetappe auch fest.

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Nach meiner täglichen Kaffeepause, dieses Mal in Bartingen, setze ich in Rogätz bei diesigem Wetter über, nachdem die Sonne gegen Mittag eigentlich alle Wolken verdrängt hatte. Von hier aus kann man dann auch schon bald die Abraumhalden des Kaliwerkes in Zieglitz sehen – klar die höchste Erhebung in der Gegend mit ~100 Metern. Kurz vor Magdeburg erreiche ich das Wasserstraßenkreuz bei Hohenwarte, wo der Elbe-Havel-Kanal in einer Trogbrücke über die Elbe geleitet wird. Die Stadtbesichtigung in Magdeburg fällt recht kurz aus, jedoch denke ich die schönsten Gebäude gesehen zu haben.

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Die nächsten Tage soll das Wetter nun deutlich schlechter werden, weshalb mir die kürzeren Etappen von ~70-80 km sicher ganz entgegen kommen werden. Morgen habe ich nun bis Bernburg an der Saale geplant.

 

Strecke: 120 km

Start: 9:30 Uhr

Ankunft: 19:00 Uhr

Dauer: 9 ½ Stunden

Reine Fahrtzeit: 6 Stunden

 

Radtour_Kiel-Passau_2010 Bilderalbum zur Radtour Kiel-Passau Teil 1

 

Der zweite Teil der Radtour von Magdeburg bis nach Passau findet sich hier:

Radtour von der Ostsee bis zur Donau - Teil 2


Veröffentlicht in Deutschland

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Ostsee Ferienwohnung 02/01/2013 12:31

Das ist eine ganz schön große strecke mit dem Rad 120 Km in 9 Stunden Respekt!

Dickes D 07/21/2011 16:26


Mensch Hauke,

da will ich gemütlich ein bißchen in Deinen Reiseberichten schmöckern... und dann ist nach der Häflte Feierabend! Das ist jetzt ein Jahr her, nun tipp endlich mal den Rest! Macht nämlich Spaß das
zu lesen und die Bilder machen Lust auf ein paar Entdeckungstouren quer durch Deutschland :-).

Besonder gefallen hat mir übrigens dieser Satz: "Hier beende ich nun gerade den Tag mit einem großen Matjesteller und einem doch gar nicht so leckeren Bier (Moravia)."

...doch gar nicht so lecker.... :-D

Gruß und ich hoffe auf die Fortsetzung!


brigitte v. 06/06/2011 21:33


Dies ist wieder ein schöner Reisebericht mit tollen Fotos.
Die Bilder erinnern mich an die teilweise auch schon ge-
fahrene Strecke und warte auf die Fortsetzung.